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3 Schritte zur Textüberarbeitung und Zeit sparen: So geht das.

Texte entstehen nicht in einem Guss. Ich überarbeite Texte mindestens in drei Schritten. Klingt viel, spart Zeit. Warum das so ist, erkläre ich hier.

  • Leider hält sich der Mythos von der genialen Autorin hartnäckig.
  • Deshalb möchte ich hier Einblick geben in die Entstehung von Texten.
  • Gleichzeitig zeige ich, wie etwas Struktur und Technik das Überarbeiten von Texten viel effizienter macht.

Prozessorientiertes Texten

Wenn man einen Fahrrad baut oder eine Funktionsjacke entwirft, ist es selbstverständlich: Bis das Produkt verkaufsfertig im Geschäft steht, hat es jede Menge Entwicklungsphasen hinter sich. Niemand erwartet, dass ein neues Produkt von heute auf morgen erfunden und entwickelt wird.

Die Vorstellung vom schnell mal runter geschriebenen Text hält sich hartnäckig. Ich denke, dafür gibt es einige Gründe. Da ist der Richtigkeitsanspruch, der uns in der Schule eingeimpft wird. In wenigen Minuten soll ein Text entstehen. Fixfertig, versteht sich. Perfekte Rechtschreibung, noble Grammatik, einwandfreie Interpunktion.

Kopfschüttel.

Doch es gibt definierte Prozesse.  Nicht nur in der Produktentwicklung, sondern beim Schreiben und Texten. Die großartige Doris Märtin spricht von fünf Stufen, die von der Idee bis zum fertig polierten Text führen. Sie machen den Ablauf effizienter und führen am Ende zu besseren Texten.

Als Texterin finde ich mich oft im Modus Erklärung wieder. Damit Kunden besser verstehen, was an Arbeit anfällt, wenn Sie einen Text beauftragen. Darstellen hilft: Welche Arbeitsschritte wichtig sind. Unabhängig von der Textsorte.

Rohtext muss rasten.

Ich überarbeite von der Rohfassung weg in drei Sequenzen. Bevor ich eine Überarbeitung beginnen kann, muss der Text zumindest mal eine Nacht abliegen. Zwar nicht unbedingt an einem warmen Ort. Doch verhält sich der erste Rohtext ähnlich wie ein frisch gekneteter Germteig. Der ist das ultimative Backwerk zur Entschleunigung. Je mehr Zeit sie den Bakterien zum feiern ihres Milchzuckerfestes geben, desto besser entwickelt sich der Teig. Umso flaumiger wird am Ende das Backerzeugnis.

Nachdem also der Text seine Ruhepause hatte, beginne ich mit einer dreistufigen Überarbeitung: Aufgabenstellung, Eindruck, Endfassung.  

Zurück zum Briefing.

Ich starte mit der Kernanforderung oder Aufgabenstellung. Bei Werbetexten und Webtexten kehre ich dafür noch einmal zum Briefing zurück, für andere Texte sehe ich mir die Aufgabenstellung an und überprüfe, ob der Text diese löst. Während ich bei der Lektüre reflektiere, tauchen typische Fragen auf: 

  • Sind alle Fragen aus dem Briefing geklärt bzw. die Themen eingearbeitet?
  • Erzielt der Text die gewünschte Wirkung? 
  • Wird die Information in einer Sprache transportiert, die das Zielpublikum versteht? 
Das ganz normale Chaos: Die Textüberarbeitung ist natürlicher Teil im Schreibprozess.

Es wird bunt.

Im zweiten Schritt wird es bunt. Ich verschaffe mir einen Eindruck über die Wirkung des Textes. Dazu arbeite ich mit unterschiedlichen Farben, die mir bei der Lokalisierung von Informationen helfen (grün), mich auf knifflige Passagen, Grammatik und Satzbau (lila) hinweisen und Wiederholungen und unpassende Wortwahl (blau) anzeigen. In einem ersten Durchgang markiere ich alle drei Sequenzen Querbeet, wie sie mir unterkommen. Danach bekommt jede Farbe einen extra Durchgang. Macht in Summe vier Runden.

Klingt aufwändig, ist tatsächlich aber die effizienteste Lösung.

Der Spaß kommt nicht zu kurz.

Ich arbeite auf diese Weise, weil es funktioniert. Es ist praktikabel und effizient. Das klingt förmlich. In anderen Worten: Es macht richtig Spaß. Das war nicht immer so. Über Jahre hinweg ging ich den Überarbeitungsmodus frei nach Gefühl an. Das hatte zwei große Nachteile. Am Ende gab es schon mal unzufriedenstellende Ergebnisse, ohne klar greifbare Ursache. Ich tat mir unheimlich schwer, den Zeitaufwand für diesen Arbeitsschritt abzuschätzen. Was sich folgerichtig auf meine Angebote auswirkte, weil mir eine zuverlässige Kalkulationsgrundlage fehlte. Ich zahlte regelmäßig drauf und tat mir schwer, den angemessen Mehraufwand zu rechtfertigen.

Zurück zur Überarbeitung. Auf der Suche nach allen wichtigen Informationen nehme ich den Entwurf zur Hand. Hier habe ich notiert, welche Informationen/ Fakten/ Inhalte unbedingt im Text vorkommen sollen. Ist dieser Zwischenschritt beendet, kann ich sicher sein, dass der Inhalt ein Treffer ist. 

Schlusslicht macht das Korrektorat

Nun wird’s lila – meine Marker-Farbe für Grammatik und Satzbau. Hier achte ich auf den Rhythmus der Sprache und die Länge der Sätze. Komplizierte Schachtelsätze mache ich einfach. Wo sinnvoll, ordne ich einzelne Absätze um.

Im blauen und letzten Arbeitsschritt startet die Suche nach Synonymen, spannenden Satz-Startern und alternativen Partikeln. Unnötigen Füllwörter geht’s an den Kragen. In diese Schlusslicht-Phase fällt der Check für Rechtschreibung und Zeichensetzung (mit Computerprogramm und Know-how). Meine Texte laufen immer noch zusätzlich durch das externe Korrektorat. 

Fast fertig. Was jetzt noch fehlt ist der letzte Bearbeitungsschritt – die Endfassung. Ich tippe jetzt in den Computer, was ich zuvor am Papier verbesserte. Zugegeben, während ich die Reinschrift erstelle, drehe ich noch einmal den einen oder anderen Satz. Oder finde supergute Überschriften. Doch dann ist er fertig, der überarbeitete Text und gut obendrein. 

Textüberarbeitung: Resümee

Die Textüberarbeitung ist essentieller Bestandteil im Schreibprozess. Systematisches Vorgehen macht den Überarbeitungsprozess als Einheit berechenbar. Wer Schritt für Schritt optimiert, spart am Ende wertvolle Zeit. Und trägt dazu bei, als Dienstleister keinen unentgeltlichen Mehraufwand zu leisten.

Linktipp

Textkorrektur: So gelingt der letzte Schliff

Buchtipp

Mehr zum Thema Texten im Beruf, Schreibprozess und Überarbeiten von Texten in Doris Märtin: Erfolgreich texten. 4. Auflage Bramann, 2010.

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